Ein winterfestes Haus beginnt nicht erst mit dem ersten Nachtfrost. Im Oktober lassen sich viele Schwachstellen noch ohne Zeitdruck erkennen: verstopfte Dachrinnen, ungeschützte Außenleitungen, lose Bauteile oder eine Rückstausicherung, deren Funktion lange nicht geprüft wurde. Diese Checkliste hilft Eigentümern, die wichtigsten Punkte sinnvoll zu priorisieren und notwendige Facharbeiten rechtzeitig zu beauftragen.
Redaktionsstand: 3. Oktober 2026. Die Hinweise beruhen auf den aktuellen Vorsorgeempfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), des Deutschen Wetterdienstes (DWD), der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) und des Informationsportals Hochwasser Baden-Württemberg. Sie ersetzen keine Prüfung am konkreten Gebäude.
Erst Risiken prüfen, dann Maßnahmen planen
Gehen Sie nicht nur nach einer allgemeinen Liste vor. Baujahr, Dachform, Hanglage, Keller, Leitungsführung und Nutzung entscheiden darüber, welche Punkte besonders dringend sind. Ein leer stehendes Ferienhaus braucht beispielsweise einen anderen Frostschutz als ein dauerhaft beheiztes Einfamilienhaus. Bei einem Gebäude am Hang oder mit tiefer Garage verdient die Starkregenvorsorge mehr Aufmerksamkeit.
Das BBK weist darauf hin, dass Sturzfluten auch fern von Bächen entstehen können. Wasser sammelt sich in Senken, folgt Straßen und Zufahrten oder drückt bei überlasteter Kanalisation zurück. Die LUBW betont, dass grundsätzlich keine Region Baden-Württembergs von Starkregen ausgenommen ist. Prüfen Sie deshalb verfügbare Hochwasser- und Starkregengefahrenkarten Ihrer Kommune und gehen Sie das Grundstück bei Regen einmal bewusst ab: Woher kommt Wasser, wo staut es sich und wohin kann es gefahrlos abfließen?
Dach, Rinnen und Fassade von oben nach unten kontrollieren
Beginnen Sie mit einem Rundgang aus sicherer Entfernung. Achten Sie auf verschobene Dachziegel, lose Verkleidungen, beschädigte Anschlüsse und Äste, die bei Sturm auf Dach oder Fassade schlagen könnten. Arbeiten auf dem Dach gehören in Fachhände. Das BBK empfiehlt unter anderem eine ausreichende Sicherung der Dachdeckung und weist bei Schneelast besonders auf Flachdächer und weit gespannte Decken hin.
Entfernen Sie Laub aus Dachrinnen, Fallrohren und bodennahen Abläufen, sofern das gefahrlos möglich ist. Kontrollieren Sie, ob Fallrohre dicht angeschlossen sind und Wasser vom Gebäude wegführen. Ein sauberer Ablauf allein löst kein Starkregenproblem, verhindert aber, dass normaler Herbstregen wegen vermeidbarer Verstopfungen an Fassade oder Fundament gelangt. Risse, feuchte Stellen und abgeplatzter Putz sollten dokumentiert und fachlich eingeordnet werden.
Außenleitungen vor Frost schützen
Wasserleitungen im Freien oder in ungeheizten Gebäudeteilen sind besonders frostgefährdet. Das BBK rät, solche Leitungen abzustellen und zu entleeren. Schließen Sie daher die innen liegende Absperrung des Außenwasserhahns, öffnen Sie den Hahn und lassen Sie Restwasser ablaufen. Gartenschläuche, Bewässerungscomputer und mobile Pumpen werden entleert und frostfrei gelagert. Bei frostsicheren Armaturen gelten die Herstellerangaben; angeschlossene Schläuche können deren Funktion beeinträchtigen.
Prüfen Sie auch Leitungen in Garage, unbeheiztem Keller, Anbau oder leer stehenden Räumen. Dämmung kann sinnvoll sein, ersetzt aber bei kritischen Leitungen nicht automatisch das Absperren und Entleeren. Wenn Ventile schwergängig sind, Leitungen bereits beschädigt wirken oder Sie die Leitungsführung nicht kennen, sollte ein Sanitärfachbetrieb übernehmen.
Heizung testen, bevor sie zuverlässig laufen muss
Starten Sie die Heizperiode mit einem Funktionstest. Werden alle Räume warm? Gibt es ungewöhnliche Geräusche, Druckverlust oder Fehlermeldungen? Kontrollieren Sie zugängliche Heizkörperventile und die sichtbaren Leitungsabschnitte. Entlüften, Wasserdruck oder hydraulische Einstellungen hängen von der Anlage ab; beachten Sie die Betriebsanleitung und lassen Sie Arbeiten an Gas, Öl, Elektrik oder Wärmeerzeuger von einem Fachbetrieb ausführen.
Verstellen Sie Heizkörper nicht dauerhaft mit Möbeln oder schweren Vorhängen und halten Sie Außenluft- und Abgaswege frei. Für energetische Verbesserungen empfiehlt sich eine abgestimmte Planung statt einzelner Schnellmaßnahmen. Einen strukturierten Einstieg bietet unsere Seite zur Modernisierung und energetischen Sanierung.
Starkregen und Rückstau am Gebäude mitdenken
Kontrollieren Sie Lichtschächte, Kellerabgänge, bodentiefe Türen und tiefer liegende Garagenzufahrten. Sind Abdeckungen intakt, Abläufe frei und Schwellen ausreichend? Das BBK empfiehlt, den Abwasserkanal regelmäßig zu kontrollieren und eine geeignete Rückstausicherung vorzusehen. Bereits vorhandene Rückstauverschlüsse oder Hebeanlagen müssen entsprechend Hersteller- und Fachvorgaben gewartet werden; eine geschlossene Klappe ist nur dann hilfreich, wenn sie funktionsfähig und für die Entwässerungssituation passend ausgelegt ist.
Für Eigentümer in Schwäbisch Hall und Heilbronn-Franken ist dabei nicht nur die Nähe zu Kocher, Jagst oder Neckar relevant. Starkregen kann laut LUBW auch unabhängig von Gewässern Oberflächenabfluss erzeugen. Kommunale Gefahrenkarten zeigen – sofern vorhanden –, wo sich Wasser sammeln oder abfließen kann. Bauliche Eingriffe an Entwässerung, Gelände oder Kellerzugängen sollten mit qualifizierten Planern und Fachbetrieben abgestimmt werden.
Außenbereich gegen Sturm und Glätte vorbereiten
Sichern oder lagern Sie Gartenmöbel, Schirme, lose Pflanzgefäße und Dekoration. Markisen werden eingefahren, Überdachungen und Befestigungen auf erkennbare Schäden geprüft. Bäume in Hausnähe sollten auf Totholz und auffällige Schiefstände kontrolliert werden; riskante Schnitt- oder Fällarbeiten gehören in professionelle Hände und können örtlichen Schutzregeln unterliegen.
Reinigen Sie Wege und Treppen, prüfen Sie Beleuchtung und Handläufe und halten Sie geeignetes Streumaterial bereit. Welche Räum- und Streupflichten konkret gelten, hängt von der kommunalen Satzung, dem Grundstück und gegebenenfalls Mietvertrag oder Hausordnung ab. Klären Sie Zuständigkeiten für vermietete Immobilien schriftlich, statt erst nach dem ersten Glatteistag.
Versicherungsschutz und Dokumentation aktualisieren
Eine technische Vorsorge und der Versicherungsschutz erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Prüfen Sie, welche Gefahren Ihre Wohngebäudeversicherung umfasst, ob Elementargefahren vereinbart sind und welche Obliegenheiten oder Selbstbehalte gelten. Fotos von Dach, Keller, Technik und wertvollen Einbauten sowie Rechnungen und Wartungsnachweise erleichtern die Dokumentation. Änderungen wie Anbau, Photovoltaikanlage, neue Heizung oder längerer Leerstand sollten dem Versicherer beziehungsweise Vermittler gemeldet werden, wenn sie für den Vertrag relevant sind.
Mehr zu den Bausteinen finden Sie unter Immobilien richtig absichern. Im Schadenfall gilt: Menschen schützen, Gefahrenbereiche meiden, den Schaden begrenzen, ohne sich selbst zu gefährden, und Versicherer sowie erforderliche Fachstellen frühzeitig informieren.
Die 60-Minuten-Checkliste für den ersten Rundgang
- 10 Minuten Dach und Fassade: sichtbare Schäden, lose Teile, Äste und Feuchtespuren notieren.
- 10 Minuten Entwässerung: Rinnen, Fallrohre, Hofabläufe und Wasserwege kontrollieren.
- 10 Minuten Frostschutz: Außenhähne, Schläuche, Pumpen und unbeheizte Leitungsbereiche prüfen.
- 10 Minuten Keller: Lichtschächte, Türen, Rückstauschutz und Lagerung empfindlicher Stoffe ansehen.
- 10 Minuten Heizung: Funktion, Meldungen, Geräusche und sichtbare Undichtigkeiten kontrollieren.
- 10 Minuten Nachbereitung: Fotos sichern, Aufgaben priorisieren und Fachtermine vereinbaren.
Arbeiten Sie mit drei Prioritäten: akute Sicherheitsmängel sofort, mögliche Frost- oder Wasserschäden vor dem nächsten Wetterumschwung und Komfort- oder Effizienzmaßnahmen anschließend. Beobachten Sie die amtlichen DWD-Warnungen und richten Sie für Ihren Standort Warnmeldungen ein. So wird aus einer einmaligen Herbstaktion ein verlässlicher Ablauf.
Informationsstand: 3. Oktober 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle technische, rechtliche, steuerliche oder versicherungsbezogene Beratung. Maßnahmen, Wartungsintervalle und Zuständigkeiten müssen am konkreten Gebäude und anhand der örtlichen Vorgaben geprüft werden.

